Lieselotte Rojas Sanoja

Lieselotte Rojas Sanoja

Ende 1974 bin ich im Karibischen Raum gelandet, nach 4 Jahren auf See in einem kleinen Segelschiff namens Félix. Die Besatzung bestand aus dem Kapitän, meinem ersten Mann Heinz und mir, als Matrose für alles. Meine persönliche Situation war in diesem Moment nicht sehr stabil. Meine Mutter war gestorben und meine Ehe war im Begriff „über Bord zu gehen“. Ich war 33 Jahre alt und beschloss einen Neuanfang zu wagen. Es war immer mein Wunsch gewesen mich mit Kunst zu beschäftigen.

Am 12. Oktober 1975 habe ich meine Galería félix in Caracas eröffnet mit einer Ausstellung von antiken Schiffs­instrumenten und Landkarten, die ich in England eingekauft hatte.

Venezuela bezauberte mich mit einer Atmosphäre von Toleranz und Lebensfreude und einem wirtschaftlichen Aufschwung, der zu vielen Hoffnungen Anlass gab, insbesondere die auf eine gesunde, gerechte, soziale Entwicklung. Es stellte sich sehr schnell ein intensiver Kontakt mit dem zeitgenössischen Kunstgeschehen in Caracas her, geprägt von Einflüssen aus aller Welt. Venezuela war ein Magnet für Künstler aus allen Landen, nicht zuletzt durch seine landschaftliche Schönheit und ausgewogene klimatische Bedingungen.

In den ersten 15 Jahren organisierte ich mit meinen Mitarbeitern 2 Ausstellungen monatlich. Es gab keine Einschränkung was das Genre anbetrifft, lediglich der Anspruch auf Qualität war ausschlaggebend. Der Markt war für eine Spezialisierung nicht gross genug. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich allerdings eine deutliche Neigung zur Arbeit auf Papier und der Skulptur heraus. Später, im eigenen Haus, reduzierte sich der Ausstellungsrythmus auf etwa 10 bis 12 Expositionen im Jahr mit einer beständigen „Mannschaft“ von etwa 25 Künstlern. Über die Jahrzehnte hinweg sind es mehrere hundert Ausstellungen, die ich absolviert habe, was nicht bedeutet, dass ich es je als „Routine“ empfunden hätte; immer war es für mich eine neue, erregende Herausforderung. Neben der zeitgenössischen Kunst beschäftigte ich mich ohne Unterbrechung sehr intensiv mit antiker Kartographie und den ersten Recopilationen der Texte des 16. Jahrhunderts über die Conquista. Einmal im Jahr zeigten wir eine Ausstellung zu diesem Thema. 1992 wurde mein Buch „La Qvarta parte del Mundo“ aufgelegt. Ich lernte meinen zweiten Mann, den venezolanischen Bildhauer und Universitätslehrer Miguel Sanoja im Jahre 1976 kennen. Sein Einfluss auf mich ist auch heute noch ungebrochen. Miguel starb sehr unerwartet Ende 2003.

Im Jahre 1989 kauften wir zwei alte Häuser und bauten sie zu einem kleinen Kunstzentrum aus mit einer grossen Ausstellungsfläche von fast 300 m², einer Schule für Zeichnung und Plattengraphik und dem Atelier meines Mannes.
In den 90ziger Jahren war unsere finanzielle Basis soweit gefestigt, dass wir die Teilnahme an internationalen Messen in unser Programm aufnehmen konnten. Wir haben mehrfach an der Art Cologne teilgenommen, der FIAC in Paris, der ArtChicago at Navy Pier, sowie in Brüssel, Düsseldorf und Miami. Es waren überaus fruchtbare Jahre für uns und die Künstler, die mit uns arbeiteten.

Die ehemalige „Galería félix“ in CaracasDie ehemalige „Galerie félix“ in Caracas

Ende 2000 zeichnete sich eine sehr negative politische Entwicklung in Venezuela ab. Präsident Chavez war kaum an der Macht, als das venezolanische Volk begriff, was es mit der Wahl dieses jungen Militärs für einen Fehler gemacht hatte. Die nächsten Jahre waren gezeichnet von ständigen zivilen Protesten, von einem permanenten Konflikt zwischen den Parteien. Es folgten die ersten Toten in den Demonstrationen, die ersten Enteignungen und Inhaftierungen.
Ich war relativ früh überzeugt, dass uns ein Verlassen Venezuelas, der Familie und Freunden, unseres schönen Hauses, nicht erspart bleiben würde. Ich war entschlossen nicht zuzulassen, dass ich am Ende meines Lebens in die gleiche Falle geraten würde, aus der ich in meiner Jugend mit Müh und Not entkommen war. Ich war einige Wochen vor dem Mauerbau aus der DDR geflohen.
Miguel zögerte und hoffte länger auf eine Lösung. Anfang 2003, nach einem erfolglosen Generalstreik, der fast drei Monate anhielt und für viele der absolute Ruin bedeutete, war auch er bereit zu gehen. Dieses Jahr 2003 verging mit den Vorbereitungen unseres Wechsels nach Spanien.

Der Tod Miguels im Dezember des Jahres warf alle diese Pläne über den Haufen und ich brauchte einige Zeit, um mich in dieser neuen Situation zurecht zu finden. Ich löste alles auf und verkaufte, soweit möglich, unseren gesamten Besitz. Der Abschied von Venezuela war hart.
Im Juni 2008 bin ich in Dresden gelandet. Diese Entscheidung habe ich noch keine Minute bereut. Ich hatte mich auf eine längere Durstrecke gefasst gemacht, aber Dresden nahm mich von Anfang an mit offenen Armen auf. Meine Familie – meine Zwillingsschwester lebt hier – erwies sich als eine unermüdliche Stütze; ich fand sehr schnell einen wunderbaren Freundeskreis und fühle mich in dieser schönen Stadt so wohl wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.
Dieses angenehme Klima war der entscheidende Impuls, mich doch nochmal, kurz nach meinem 70. Geburtstag, mit dem Kunstgeschehen auseinanderzusetzen. Wieder sind die positiven Einflüsse überwältigend: ein interessanter Platz am Elbhang zwischen der Schwebebahn und der schönen Loschwitzer Kirche; die Hilfe der Freunde in allen Bereichen; das Entdecken von grossartigen Künstlern wie Paul und Elke Böckelmann und Uwe und Marion Hempel.

Ich beginne mit einer Sammlung von präkolumbischen Keramiken und Kultgegenständen der alten Hochkulturen von Peru sowie Landkarten und Stichen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert.
„E.R.N.A.’s Engel“, Keramiken von Elke Böckelmann, geben die Verbindung zur zeitgenössischen Kunst. Im Skulpturengarten sind Werke von Paul Böckelmann, Uwe und Marion Hempel und Miguel Sanoja zu sehen.

Darüber hinaus bin ich offen für alle Anregungen, die dieser neue Standort in der Pillnitzer Landstrasse 7 mir bieten wird.

September 2013

Zu diesem Zeitpunkt bereiteten wir gerade unsere 15. Ausstellung mit E.R.N.A. und Paul Böckelmann vor. Sie sind zwei der vier Künstler, die wir eingeladen haben uns zur nächsten ArtKarlsruhe, eine der wichtigsten Messen im zeitgenössischen Kunstgeschehen, zu begleiten. Die beiden anderen Künstler sind Marion und Uwe Hempel.

In dem Bestreben, die unvollkommene Verbindung von Kunst und Handel in Dresden zu verbessern, führen wir seit einigen Monaten periodisch Treffen zwischen Künstlern, Galeristen, Kunstwissenschaftlern und Journalisten durch. Ende September ist das nächste „Galeriegespräch“ anberaumt und wird sich mit juristischen Belangen wie Urheberrecht, Verantwortlichkeiten nach einem Verkauf, Editionen, Testamenten, Vereinbarungen usw. beschäftigen.

Unser Skulpturengarten hat drei neue Terrassen aufzuweisen. Besonders stolz sind wir auf einen Teich mit Seerosen und Goldfischen, ein wunderbarer Platz für zwei großformatige Skulpturen aus Glas und Metall von Marion und Uwe Hempel.

Mai/Juni 2014

Vor einem Jahr musste Dresden mit der Flut fertig werden. Dank der Unterstützung von Freunden und Bekannten ist uns nichts Ernsthaftes passiert, weder in der Galerie noch in meiner Wohnung. Es waren sehr anstrengende Tage.

In diesem Jahr erleben wir einen wunderbaren Frühling. Unser Garten wird immer schöner. Uwe Hempel hat die fünf hässlichen, alten Wäschepfähle vorm Eingang zur Galerie in enigmatische „Wächter“ verwandelt. Ein neuer Weg führt von der Treppe zum Haus, eine neue Terrasse neben der Schwebebahn hat als zentralen Blickpunkt eine Skulptur aus Sandstein von Konstanze Feind-Eissner. Und wieder sind die beiden Hempels, maßgeblich daran beteiligt, dass das verwilderte Grundstück sich in einen Skulpturengarten verwandelt. Der Kirchenvorstand hat uns erlaubt die untere große Terrasse zu benutzen wo nun Marions „Lebenswagen“ und fünf „Schachtelhalme“ stehen.

Von November 2013 bis Januar 2014 hatten wir eine großartige Exposition der beiden Hempels gezeigt. Leider konnten wir in diesem Jahr noch nicht an der Messe in Karlsruhe teilnehmen, die Warteliste war einfach zu lang. Wir werden es im nächsten Jahr erneut versuchen. Solveig Bolduan bestritt mit Skulpturen aus Holz und mit Arbeiten auf Papier die erste Jahresausstellung 2014. Dann kam Tina Flau aus Potsdam mit ihren gut durchdachten Zeichnungen und jetzt zeigen wir die Bildsprache von Ismael Mundaray mit dem Titel „Horizont der Illusion“… Morgen – wir schreiben den 27. Mai – werde ich zu Tobias Fahnauer, unserem sehr geschätzten Designer, gehen, um den Flyer für die Ausstellung „Sommer in Schwarz/weiß“, Tuschezeichnungen von Ina Claus und Holz und Linolschnitte von Gabriele Reichelt zu entwerfen…

Januar 2015

Die Beschäftigung mit Kunst und Künstlern ist so faszinierend und abwechslungsreich, dass die Zeit zu verfliegen scheint. Unsere Sommerausstellung – wie immer dem Elementarkontrast Schwarz-Weiss gewidmet – war ein voller Erfolg. Die Arbeiten der beiden eingeladenen Künstlerinnen – Gabriele Reichelt aus Dresden und Ina Claus aus Neuseeland – waren ein gutes Beispiel für die enorme Bandbreite, die das Thema erlaubt. Ina sinniert in ihren detaillierten Tuschezeichnungen über Gott und die Welt und Gabi bezaubert mit ihrer unvergleichlichen Fähigkeit die Komik einer Situation mit wenigen Linien ihrer Holz- und Linolschnitte zu erfassen. „Wege – Bäume – Herbst“ war der Untertitel der folgenden Ausstellung: „Natürlich!“ Fotografien von Peter Zimolong. Dies war bereits die 2. Einzelausstellung des jungen Künstlers in unserer Galerie und ich stellte mit Erstaunen fest, dass fast ein Drittel unserer Expositionen der Fotografie gewidmet waren. Dann kam Philippe Schulte! Eine Ausnahmeerscheinung in jeder Hinsicht! Das Bild als Realität – dieser Titel der Ausstellung ist absolut wörtlich zu nehmen. Philippe ist ein Virtuose der Malerei und ein Lebenskünstler. Seine Malereien sind die besten hyperrealistischen Arbeiten, die ich in meinem fast 40jährigen Berufsleben gesehen habe. Er wird im Frühling nach Frankreich umsiedeln und ich bin sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit gehabt haben zuvor seine wunderbaren Bilder von Dresden zeigen zu können.

Juli 2015

Der Pegel der Elbe lag in diesen Tagen unter 70 cm und brachte die Dampfschifffahrt zum Erliegen. Es ist außergewöhnlich heiß, was den Geranien, die Eva in diesem Jahr gepflanzt hat, sehr bekommt. Die Fenster des Hauses verschwinden fast hinter der Pracht der roten Blüten. Eva Maria Kaufmann lebt seit langem im Haus und hat einen „grünen Daumen“. Die farbenfrohe Malerei der Ausstellung mit Maria Mednikova hat uns gut durch den Winter gebracht. Ich suchte schon länger einen Künstler, der mit den, von asiatischen Einflüssen geprägten Arbeiten von Renate Pozo, einer Deutsch-venezolanerin, harmonieren würde. Dann fand ich Heinz Ferbert, der die chinesische Kalligraphie als Bildmotiv benutzt. Nach wenigen Tagen habe ich ihm eine Ausstellung angeboten, was in kuriosem Gegensatz steht zu den genau 30 Jahren, die vergangen sind seit meiner ersten Exposition mit Renate Pozo in Caracas. Unsere Ausstellung hier hieß „Globale Kunst“ und hätte nicht harmonischer und ansprechender sein können. Zudem lernten wir den jungen Chinesen Jian Tan kennen, der ein Ausnahmetalent für Sprachen hat und die klassische, chinesische Kalligraphie beherrscht. Ein Gewinn für uns alle. Das Elbhangfest brachte uns Ströme von Besuchern.

Paul Böckelmann bestreitet aktuell die Szene mit seiner Ausstellung „SELBST – GEZEICHNET“. Leider musste unsere Sommerausstellung – wie immer dem Elementarkontrast schwarz/weiß gewidmet – verschoben werden auf das Jahresende, wegen einer rebellischen Bandscheibe in meiner Wirbelsäule. Aber dann geht es im gewohnten Rhythmus weiter.

Die Vorbereitungen für die Präsentation eines Künstlerbuches von Gabriele Seitz am 5. Sep­tem­ber sind abgeschlossen. Loschwitz feiert die 700 Jahre seines Bestehens im September 2015. Wir werden in dieser Zeit die Portraits aus dem Buch der in Loschwitz lebenden Künstler zeigen.

März 2016

Die „Taufe“ des Buches von Gabi Seitz, Ende September 2015, war ein Ereignis. Wir zählten über 300 Besucher, was zur Folge hatte, dass die Vorräte an Büchern völlig erschöpft war. Die Nachfrage hat noch immer nicht nachgelassen.

Dann folgte die Ausstellung „Geschichten in Schwarz-Weiß“, die erzählt wurden von Gabriele Reichelt und E.R.N.A. Gabi bezauberte alle Welt wieder mit ihrem unnachahmlichen Talent, die Komik einer Situation mit wenigen Linien ihrer Holz- und Linolschnitte zu erfassen und Elke (alias E.R.N.A.) präsentierte die Serie „Habseligkeiten“, exzellente Tuschezeichnungen von Dingen, auf die man vielleicht verzichten kann, es aber nicht will oder nicht muss – wie sie selber sagt.

Im Januar 2016 war eine erneute Pause nötig, um zu versuchen meine Rückenprobleme zu lösen, was leider noch immer mehr Aufmerksamkeit erfordert, als mir lieb ist.

Mitte Februar habe ich, wie jedes Jahr, die ArtKarlsruhe besucht, die mich mehr durch die ausgezeichnete Organisation beeindruckte als durch die ausgestellten Kunstwerke.

Gestern – wir schreiben schon den 6. März – haben wir eine grosse Ausstellung aufgehängt mit dem Titel „Aquarelle – als die Farbe ins Wasser fiel“. Die sieben eingeladenen Künstlerinnen sind: E.R.N.A., Rita Geißler, Katharina Kretschmer, Mechthild Mansel, Maria Mednikova, Helen Mortlock und Christine Wahl.

In Vorbereitung ist die Ausstellung „Drinnen und Draußen“, Fotografie von Bernd Grams. Es sind eindrucksvolle Arbeiten in – wie sollte es anders sein – schwarz/weiß von unserem direkten Umfeld Loschwitz und der Elbe. Hoffentlich kommt der Frühling bald.

August 2016

Und er kam mit Macht, der Frühling. Wir, Eva und ich, mussten eine Gartenbaufirma beauftragen, uns bei der Pflege des Grundstückes zu helfen. Alles schien mit doppelter Kraft zu wachsen und zu blühen. Wieder sind es rote Geranien vor den Fenstern, die den Ton angeben.

Der wahre Ansturm von Besuchern der Aquarellausstellung war zum Teil den schönen Artikeln des bekannten Kunstkritikers Heinz Weißflog zu verdanken. Zu unserer Freude verfasste er auch für die folgenden 2 Ausstellungen sehr gute Beiträge, die in den Dresdner Neuesten Nachrichten publiziert wurden.

Zuerst die Fotografien in schwarz/weiß vom Elbtal von Bernd Grams. Der Titel „Drinnen – Draußen“ ist einem kurzen Sketch entlehnt, den Bernd – nicht nur ein guter Fotograf sondern auch ein begnadeter Schriftsteller – verfasst hatte. Es ist ein Dialog zwischen zwei Individuen, der in der Vernissage vorgetragen wurde von der Schauspielerin Mandy Partzsch und der Journalistin Sybille Muth. Ein unvergesslicher Moment!

Und dann kam Johanna, Johanna Mittag, die in den beiden Schwesterndisziplinen Musik und Malerei zuhause ist. „Farbe und Ton“ haben wir die Ausstellung ihrer Pastelle genannt. Die zwei Konzerte, die Johanna mit ihrer Tochter und mit Kollegen der Sächsischen Staatskapelle hier vor der Galerie gab, zählen zu den absoluten Höhepunkten meiner Galerietätigkeit.

Den Auftakt für die Herbstsaison wird die Ausstellung „Magie und Realismus“ des jungen, kolumbianischen Künstlers Juan Miguel Restrepo geben.

Januar 2017

Heute, am 15. Januar 2017, bin ich zum ersten Mal vollkommen eingeschneit in der Galerie.
Die Treppe ist komplett vereist und es schneit ununterbrochen. Eigentlich wollten sich mehrere Künstlerinnen, die an der nächsten Ausstellung teilnehmen werden, hier zu einer kleinen Arbeitssitzung versammeln, aber ich habe das Treffen vertagt. Es bleibt uns noch genug Zeit. Die Eröffnung der Exposition mit dem Titel „Papier und Kunst“ und 8 eingeladenen Künstlern wird am 4. Februar sein. Wie der Titel sagt, spielt das Papier die Hauptrolle. Unser Anliegen ist, dem Papier den Stellenwert in der allgemeinen Wertschätzung zu geben, den es eigentlich haben sollte.

Außerdem hatten wir vor, den Abbau der letzten Exposition vorzunehmen. Es dreht sich um die Zeichnungen und Siebdrucke von Margarita Pellegrin, aber auch das fiel dem Schnee zum Opfer. Ich habe also noch einige Tage mehr die Gelegenheit die exzellenten Arbeiten, viele in dem Elementarkontrast Schwarz-Weiß, von Margarita zu bewundern. Die Ausstellung mit dem Titel „Die Lust am Fabulieren“ war äußerst kurzfristig angesetzt, vom 19. November bis 18. Dezember 2016. Es sollte eine Abschiedsgeste für die schwerkranke Künstlerin sein. Wir hatten ein paar sehr berührende Begegnungen und besonders viel Freude an den Vorbereitungen. Die Vernissage war außergewöhnlich gut besucht, aber Margarita selbst konnte nicht mehr teilnehmen.
Wir haben sie am 22. Dezember auf dem Leubener Alten Friedhof beerdigt. Es war eine bewegend schöne Feier …

Wir schreiben bereits den 8. Februar. Ich brauchte ein Weilchen, um in meinem Bericht fortfahren zu können. Sicher ist es für den Leser dieser Zeilen verständlich, dass die Beziehung zwischen Galerist und Künstler sehr eng sein kann.

Auch im Falle von Juan Miguel Restrepo, dessen Ausstellung „Magie und Realismus“ im Herbst vergangenen Jahres sehr viel Beachtung fand, ist aus einer freundlich-geschäftlichen Verbindung tiefe Freundschaft geworden. Dasselbe kann ich auch von Johanna Mittag, Kerstin Böttger und Maria Mednikova sagen, die an unserem Feldzug „Pro-Papier“ teilnehmen. Diese Ausstellung „Papier und Kunst“ aufzubauen, war eine der größten Herausforderungen in dieser Hinsicht. Ich glaube, wir haben das sehr gut gemeistert.

Auch die Wettergötter hatten ein Einsehen und schenkten uns einen herrlichen, sonnigen Morgen am Tag der Vernissage. Das schöne Wetter im Verein mit einem besonders guten Catering – wie immer unter der Regie meiner Schwester – sorgten bei den überaus zahlreichen Besuchern für eine exzellente Stimmung. In dieser Ausstellung zeigen wir nur Unikate; eine weitere in Verteidigung des Papiers wird der faszinierenden Welt der Graphik gewidmet sein.
Es ist Frühling, wenn ich darüber berichten kann.

August 2017

Am 13. Mai d. J. eröffneten wir die Ausstellung „Die Welt der Graphik“. Wieder waren 8 Künstler eingeladen: Elke Daemmrich mit meisterlich ausgeführten Strichätzungen auf Kupfer, Frank-Ole Haake mit äußerst anspruchsvollen Linolschnitten, Anja Kaufhold mit einer neuen Technik, der Collagrafie, Andreas Garn mit Miniaturen im Tiefdruckverfahren, Mechthild Mansel mit eindrucksvollen 2-Farb-Lithographien – ihr Bericht über den Prozess fand besondere Beachtung -, der kolumbianische Künstler Juan Miguel Restrepo, der in einer originellen Technik Fotoradierungen mit klassischer Kaltnadel vereinte, Gabriele Reichelt, die immer wieder mit der Komik ihrer Holzschnitte bezaubert und Christoph Wischniowski, dessen Darstellungen menschlicher Ängste und Begierden besondere Beachtung fanden. Die positive Resonanz dieser Ausstellung war so groß, dass wir die Dauer der Exposition bis Mitte Juli verlängerten. Fast ein halbes Jahr konnte ich meiner Vorliebe für Arbeiten auf Papier frönen. Erwähnenswert ist noch die Initiative von Frank-Ole Haake, der uns an einem Sonntagnachmittag in unserem schönen, liebevoll gepflegten Garten eine Märchenstunde schenkte, die Alt und Jung begeisterte. Er erzählte uns eine lange, aufregende, keltische Odyssee, von der besonders die Kinder nicht genug kriegen konnten. Ich erwäge eine regelmäßige Wiederholung dieser Aktivität.

Dann kam unsere Sommerausstellung: Fotografien vom Meer von Roland Nagel. Die Unwetter kurz vor dem Eröffnungstermin am 29. Juli beunruhigten uns sehr. Wie durch ein Wunder wurde uns ein perfekter Sommertag beschert und die Ausstellung machte ihrem Titel „Sehnsuchtsort Meer“ alle Ehre. Der Künstler ist auch Naturwissenschaftler und hat sich lange mit dem Einfluss von Umweltgiften auf aguatische Ökosysteme beschäftigt. Die Schönheit seiner Arbeiten soll gerade darauf hinweisen was es zu verteidigen gilt. Die Problematik, die ja alle natürlichen Ressourcen unseres Planeten betrifft, wird auch in der kommenden Exposition angesprochen. Es sind Malereien von Leonore Adler mit dem Titel: „Es ist genug für alle da?!“.



PAUL BÖCKELMANN ANLÄSSLICH DER ERÖFFNUNG DER GALERIE FELIX

12. November 2011

Wie kurz kann der Weg sein vom nicht Kennen zur Zuneigung.

Zeitraffer.

Einige Worte.

In der Mitte diesen Jahres besuchen uns, E.R.N.A. und mich, drei Damen auf dem Künstlerhof in Altenau. Unter ihnen eine zart gewachsene Stille. Ihr Alter umschreibt man wohl mit dem Wort reifer. Schnell entdeckt man beim Reden wissendes Lächeln auf ihrem Gesicht. Die Äußerungen der mir Unbekannten erscheinen mir vertraut, von Menschen- und Kunstverstand getragen. Das Gespräch beim Kaffee scheint die Fortsetzung eines vorangegangenen zu sein. Die Chemie stimmt, sagt man wohl dazu.

Ihrer Einladung folgend besuchen wir sie einige Zeit später in ihrer Wohnung. Erneut ein Moment rasanten Kennenlernens. Die alte Dame, man verzeiht mir das Wort alte, zeigt sich in ihrem Gehäuse von, nun mir schon vertrauter jugendlicher Denkart und beweglicher Neugier, ein Weib. Ohne viele Details ihrer Biografie zu kennen, vertraue ich dieser, aus Caracas in ihr Mutter- oder Vaterland zurückgekehrten Frau. Als sie uns dann diese, noch in einem erbarmungswürdigen Zustand befindlichen Räume zeigt - hier möchte sie eine Galerie eröffnen, in einem Alter, das üblicherweise zum Füße hoch und die Hände in den Schoß legen genutzt wird - traue ich ihr das nun schon blindlings zu.

Liebe Lieselotte, ich kann dir nur erneutes Glück wünschen. Du scheinst mit deinem Mann, dem Künstler, dessen Arbeiten hier zu erleben sind, ein seelenverwandtes intensives Leben genossen zu haben. Und ich wünsche dir eine gehörige Portion gutwilliger Schlitzohrigkeit, die wunderbaren Antiken, die Kunst deines Mannes und anderer, auch meine, unter die Leute zu bringen. Der Dresdner Mund möge hinter vorgehaltener Lippe manches Raunen, aber das belebt ja bekanntermaßen das Geschäft.

Wie Sie, verehrte Gäste und Freunde bemerken, hat mich diese Lieselotte umgarnt, eingewickelt, hat mich menschenfängerisch – ich glaube ihr schmunzelndes Lächeln, welches derartigen Aktivitäten begleiten könnte, zu hören – in das abenteuerliche Vergnügen des Kunsthandelns hineingezogen. Und dieses wünsche ich auch Ihnen, meine Damen und Herren, es ist ein Vergnügen, bringt Lust.

Jetzt, heute, fast am Ende des Jahres, eröffnet Lieselotte Rojas-Sanoja FELIX.

Möge die Galerie mit ihr Altern.
© 2011 – 2017 Galerie Félix – Lieselotte Rojas Sanoja | Startseite | Impressum